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Studienkolleg für ausländische Studierende
an der Universität Hamburg

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  • STICHWORTSUCHE:

Alka

Man kann heutzutage sagen, dass die Menschen auf der Erde sich viel näher gekommen sind und immer näher kommen können. In wenigen Stunden bringen uns Flugzeuge in jeden Teil der Welt, und Reiseunternehmen bieten ferne Urlaubsziele zu niedrigen Preisen an. Wir lernen fremde Länder und Menschen kennen.
Man kann wohl auch sagen, dass die Menschen mehr von einander wissen als früher, denn das Fernsehen führt zu einem weltweiten Austausch von Informationen in Ton und Bild. Trotzdem scheint es vielen Menschen noch schwer zu fallen, fremde Lebensweisen und Normen als gleichberechtigt anzuerkennen. Jüngeren Menschen fällt das sicher leichter als älteren, aber gerade die jüngeren kommen dabei manchmal in schwere Konflikte mit ihren Eltern oder der ganzen Familie.
Das zeigt jedenfalls das Beispiel von Alka, einer jungen Frau aus Nepal in Asien, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt.
Alkas Vater, ein Diplomat, arbeitete in den 70er Jahren an der nepalesischen Botschaft in Bonn. Hier ging auch Alka zur Schule. Einige Jahre später wurde der Vater nach Moskau versetzt. Alka blieb in Bonn, um hier das Abitur zu machen. Sie wohnte bei einer befreundeten Familie und begann nach Abschluss der Schule ihr Studium der Ernährungswissenschaften.
Alkas Eltern waren stolz, weil ihre Tochter auf einer deutschen Schule und an der Universität Erfolg hatte. Was ihnen aber offensichtlich nicht so viel Freude bereitete, war, dass Alka dadurch auch von der modernen westlichen Lebensweise stark beeinflusst wurde. Sie wollte nun wesentliche Entscheidungen über ihr Leben nicht mehr ihren Eltern überlassen, wie es nach nepalesischer Auffassung selbstverständlich ist, sondern selbst entscheiden.
Schon während der Schulzeit hatte sie Klaus, einen jungen Deutschen kennen gelernt. Sie waren enge Freunde geworden, sie liebten einander und dachten daran, später einmal zu heiraten. Mit der ganzen Geschichte waren die Eltern aber nicht einverstanden.
Sie forderten ihre Tochter auf, in ihr Heimatland Nepal zurückzukehren. Dort hatten die Eltern ihr bereits einen Ehemann ausgesucht. Das war dort noch ganz normal.
Aber Alka weigerte sich. Sie wollte in Deutschland bleiben und ihr Studium beenden und keinen fremden Mann heiraten.
Da griffen die Eltern zu einer List: Eines Tages kam die Mutter nach Bonn und bat Alka, mit ihr nach Moskau zu fahren. Sie erklärte, dass der Vater sehr krank sei. Alka machte sich große Sorgen und flog sofort mit. Dort aber zeigte sich, dass der Vater gar nicht wirklich krank war. Mit dieser falschen Behauptung hatte man Alka aus Deutschland weggelockt . Die Eltern nahmen ihr den Pass weg und verhinderten so, dass sie wieder nach Deutschland fliegen konnte. Sie sollte in einigen Monaten mit ihren Eltern nach Nepal gehen und dort heiraten, Alka war verzweifelt und rief heimlich ihren Freund in Bonn an. Und nun begann eine moderne Geschichte von Romeo und Julia:
Klaus versuchte alles, um seine Freundin wieder nach Bonn zu holen. Er informierte die Presse, ging zu den Diplomaten in Bonn und bat um Hilfe. Sogar der Bundespräsident schrieb ihm einen ermutigenden Brief.
Aber das half nicht, die Eltern gaben nicht nach. Nach nepalesischer Tradition kann eine Tochter auch im Alter von 23 Jahren noch nicht allein für sich entscheiden.
Schließlich legte Klaus sein erspartes Geld zusammen und flog selbst nach Moskau, um mit den Eltern zu reden. Und was Presseberichte und diplomatische Initiativen nicht erreicht hatten, das schaffte nun der junge Mann: Die Eltern gaben Alka den Pass zurück und ließen die beiden Liebenden nach Bonn zurückfliegen. Jetzt setzen Alka und Klaus ihr Studium fort und planen ihren gemeinsamen Lebensweg. Aber Alka mochte auch den Kontakt zu ihrer Familie nicht verlieren. Sie will alles tun, um ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie ihre Tochter in Europa nicht verloren haben.
Ein ,,happy-end"? Für Alka sicher nicht ganz. Denn sie ist als Nepalesin fest mit ihrer Familie verwurzelt. Die Enttäuschung, die sie ihren Eltern bereitet hat, begleitet sie ständig. Sie spürt den Vorwurf, und das schmerzt sie sehr. Und sie weiß, dass sie damit noch so lange leben muss, bis sie mit ihren Eltern wieder ganz versöhnt ist.



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