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Jugendliche leiten einen Supermarkt
Am Eingang eines Supermarktes steht ein Schild. Mit einer etwas ungeschickten Handschrift steht darauf geschrieben : „Mittwoch 1 Pfirsich gratis“ . Dies ist ein erster Hinweis auf das Besondere dieses Supermarktes mitten im dicht bewohnten Stuttgarter Westen.
Wer sich im Laden umschaut, ist erst recht verwundert, denn die 27 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen , vom ´Geschäftsleiter` bis zur Verkäuferin sind eigentlich Lehrlinge.
Ihnen hat eine Stuttgarter Firma die bisher einmalige Möglichkeit gegeben, drei Monate lang in einem ihrer vielen Geschäfte zu zeigen, was sie in den zwei oder drei Lehrjahren gelernt haben.
„Es ist ein Experiment“, sagt der Personalchef Otto Breslauer nach vier Wochen,“ aber wir sehen schon jetzt, dass es ein Erfolg wird.“
Er hatte ein solches Experiment immer wieder gefordert. Nun wurde sein Plan verwirklicht. Dieses Geschäft im Stuttgarter Westen, eines von mehreren Filialen dieser Supermarktkette, wurde unter anderem deshalb ausgesucht, weil es leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Denn die jungen Leute kommen aus ganz verschiedenen Stadtteilen , und die meisten haben noch kein Auto. Die Angestellten, die bisher hier gearbeitet hatten, mussten für diese drei Monate in andere Filialen ausweichen, sie waren alle damit einverstanden.
Mit Verständnis reagierten auch die Kunden, und viele waren nach der ersten Verwunderung sogar begeistert. Eine ältere Frau, die hier regelmäßig einkauft, sagt:“Zuerst war ich ganz erstaunt, danach aber sehr zufrieden. Die jungen Leute sind immer freundlich und beraten uns sachkundig.“
Freude an dem Experiment haben auch die 27 Lehrlinge, die unter mehr als 6oo Bewerbern ausgesucht wurden. Sie dürfen planen und arbeiten, wie sie wollen. Sie füllen die Regale nach ihren eigenen Ideen und locken die Kunden mit einfallsreichen Sonderangeboten.
„Es ist eine ganz schöne Ehre, dass wir hier mitmachen können“, erklärt Urs Frey, der den Chef spielt. Er sieht aber auch Probleme. „Wir haben“, sagt er, „ zu wenig Übung, zum Beispiel bei der Abrechnung, und bei einigen organisatorischen Fragen fehlt uns die Erfahrung. Doch die Sache macht uns soviel Spaß, dass wir uns besonders anstrengen.“
Die einzige erfahrene Angestellte, die im Augenblick in diesem Supermarkt mitarbeitet, ist Waltraud Signer , sonst stellvertretende Leiterin der Filiale. Sie hilft jetzt bei den Abrechnungen. Sie ist mit den Lehrlingen sehr zufrieden und sagt:“ Natürlich können sie noch nicht alles, aber sie sind sehr engagiert und an gutem Willen nicht zu überbieten .“
Zufrieden ist auch die Zentrale , denn schon jetzt ist zu erkennen, dass nicht weniger verkauft wird als vorher. Dies ist eines der Kriterien, an dem der Erfolg oder Misserfolg des Experiments gemessen wird. Wichtig ist auch, was die Kunden dazu sagen, und wichtig ist auch, was die Lehrlinge selbst meinen.
Schon jetzt überlegt man aber, ob aus dem Experiment eine ständige Einrichtung werden soll. Es könnte entweder mit anderen Lehrlingen fortgesetzt werden , man könnte es auch jedes Jahr einmal wiederholen. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.
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